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Baum des Jahres 2025: Die Mehlbeere
Sie ist der Star im Jahr 2025: die Mehlbeere wurde zum Baum des Jahres 2025 gewählt. Aus gutem Grund: Sie ist bekannt für ihre bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit sowie für ihre ökologische Relevanz.
Baum des Jahres
In Österreich wird seit 1994 jährlich ein Baum des Jahres ausgewählt. Die Entscheidung erfolgt in Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus und dem Kuratorium Wald. Die Institutionen berücksichtigen dabei Baumarten, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch für Österreich von Bedeutung und teils stark gefährdet sind.
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Allgemeine Merkmale der Mehlbeere
Zur Familie der Rosengewächse zählend, erkennt man die Mehlbeere als mittelgroßen Baum oder Strauch, der Höhen von 10 bis 15, maximal 20 Metern erreicht. Ihr Wuchs: oft rundlich. Die Rinde: grau und glatt. Bei älteren Exemplaren wird sie mitunter rissig. Und sie kann 150 bis 200 Jahre alt werden. Die Blätter sind oval bis elliptisch geformt mit gezahnten Rändern. Die filzig behaarte Unterseite der Blätter, die ihnen ein charakteristisches „mehliges“ Aussehen verleiht, erklärt den Namen „Mehlbeere“. Eine andere Erklärung für die Namensherkunft ist, dass sie früher dem Brotmehl beigemischt wurde.
Mit ihren kleinen, weißen Blüten in dichten Dolden zeigt sich die Mehlbeere zwischen Mai und Juni im Frühlingsgewand. Die Blüten sind allerdings nicht nur optisch ansprechend: Sie dienen als essenzielle Nahrungsquelle für Insekten, insbesondere für Bienen. Im Spätsommer reifen kleine, runde, rot- bis orangefarbene Beeren. Die sind zwar essbar, allerdings schätzt man sie weniger, was an ihrem faden mehligen Geschmack liegt
Verbreitung und Bedeutung in Österreich
In Österreich ist kommt die Mehlbeere häufig in Eichen- und Buchenwäldern vor. Im urbanen Raum wird sie gern als Straßenbaum und in Parks gepflanzt. Sie liebt die sonnige Lage und gedeiht vor allem auf trockenen, kalkhaltigen Böden. Sie verträgt hohe Temperaturen und mitteleuropäische Winter. Ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Standortbedingungen macht sie zu einer wertvollen Baumart in der heimischen Flora. Immerhin findet man sie auf bis zu 1.600 Metern Höhe.
Ökologisch gesehen spielt die Mehlbeere eine zentrale Rolle in der Biodiversität. Sie bietet Lebensraum und Nahrung für viele Tierarten; Vögel wie Dompfaffen und Drosseln fressen ihre Früchte und tragen zur Verbreitung der Samen bei. Damit ist nicht nur die Fortpflanzung der Mehlbeere gesichert. Sie unterstützt auch das Aufforsten in geeigneten Lebensräumen. Zudem ist sie eine Pionierbaumart: Mit der Besiedelung neuer Flächen trägt sie zum Stabilisieren von Böden bei.
Die Mehlbeere hat im Kampf gegen den Klimawandel vielversprechende Perspektiven. Sie ist sowohl trockenheits- als auch feuchtigkeitsresistent. In extrem trockenen Umgebungen lässt sie frühzeitig ihre Blätter fallen, was sich nachweislich nicht negativ auf den Austrieb und das Wachstum im folgenden Jahr auswirkt. Allerdings verträgt die Mehlbeere starke Beschattung nicht, weshalb sie sich eher als Begleitbaumart am Waldrand eignet.
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Verarbeitung und Nutzung
Das Holz der Mehlbeere zählt zu den härtesten europäischen Hölzern und eignet sich für zahlreiche praktische Anwendungen, vor allem in der Holzverarbeitung. Mit seiner attraktiven, fein strukturierten Maserung ist es ein bevorzugtes Material für hochwertige Möbel, Schnitzereien und Drechselarbeiten. Handwerker schätzen vor allem die Langlebigkeit des Holzes. Wegen seiner hohen Zähigkeit sowie guten Festigkeits- und Elastizitäts-Eigenschaften verarbeiteten Wagner es früher beispielsweise zum Bau von Leiter- und Handwagen, Heuwagen und Schlitten. Auch Fassdauben, Zahnräder, Schalen und Löffel wurden gefertigt.
Die Früchte der Mehlbeere sind zwar frisch weniger geschätzt, können jedoch in verschiedenen Formen verarbeitet werden. In der traditionellen österreichischen Küche finden sie Verwendung in Marmelade, Gelee oder Schnaps.
Ökologische Bedeutung der Mehlbeere
Die ökologischen Vorteile der Mehlbeere sind bemerkenswert: Zum einen trägt sie als Lebensraum und Nahrungsquelle für viele Insekten und Vögel zur Biodiversität in den österreichischen Wäldern bei. Zum anderen ist sie sehr anpassungsfähig, was sie auch in höheren Lagen und heißen wie trockenen Klimabedingungen zu einem Baum macht, der eine Schutzfunktion übernehmen kann. Als sogenannte Pionierbaumart geht sie problemlos mit Trockenheit und hoher Sonneneinstrahlung um. Auch das herabgefallene Laub der Mehlbeere wirkt sich positiv auf den Waldboden aus: Zunächst bietet es einen Lebensraum für verschiedene Mikroorganismen, die zur Gesundheit des Bodens beitragen. Dann zersetzt es sich rasch und setzt dabei Nährstoffe frei, die Bodenstruktur wird verbessert. Damit erhöht sich die Wasserspeicherfähigkeit und die biologische Aktivität.
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Schon gewusst?
Schweizer Birnbaum in Österreich
Das Holz der Mehlbeere weist Ähnlichkeit mit dem Holz der Birne auf. Deshalb wird es mit anderen „Sorbus“-Arten wie Vogelbeere und Speierling unter der Handelsbezeichnung „Schweizer Birnbaum“ verkauft.
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Quellen
- Bundeforschungszentrum für Wald – BFW
- Quelle: Naturschutz – Rund ein Drittel der Waldfläche Österreichs unter Schutz
Rechte & Produktion
© 2022 BFW und waldgeschichten.com – Die österreichischen Familienwaldbetriebe & Österreichischer Forstverein – Unterstützt durch den Holzinformationsfonds der Landwirtschaftskammer Österreich
Redaktion
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